Eine kurze Geschichte über das Grundeinkommen in Japan
Wenn wir die Geschichte des Grundeinkommens auf der Internet-Seite von BIEN betrachten und uns gleichzeitig von dem eurozentrischen Wissen befreien, gab es im China des 6. Jahrhunderts und im Japan des 7. Jahrhunderts schon den Keim eines Grundeinkommens, obwohl bei BIEN erklärt wird, dass der Keim erstmals in Louvain im 16. Jahrhundert auftauchte. Diese alten Ideen aus Ostasien versuchten, „Mittel für den Lebensunterhalt“ vor der Besteuerung in einer weltlichen Form zu verteilen. Jedoch sagt die Seite von BIEN, dass die Idee erstmals bei Thomas Morus in „Utopia“ auftauchte – ein Buch, das erstmals 1616 in Louvain erschien.
Eine ernste akademische Diskussion über das Grundeinkommen begann vor 10 Jahren und heute erstreckt sich die Debatte nicht nur auf die Politik, sondern auch auf die Bevölkerung durch Feministen, Invaliden und prekär Beschäftigte.
Sitzen Neoliberale und Autonome im gleichen Boot?
Die Politik: Ich wurde von Abgeordneten der größten Oppositionspartei eingeladen, um über das Grundeinkommen zu sprechen, was als Beispiel eines wachsenden Interesses am Vorschlag des Grundeinkommens gesehen werden kann. Jedoch kann im Allgemeinen nicht mehr als „Interesse“ gesagt werden. Eine Ausnahme bildet die kleine Partei „Shinto Nippon“ (Neue Partei Japan). Der Führer dieser Partei (ein Abgeordneter) war ein bekannter Schriftsteller und ist von der Idee des Grundeinkommens fasziniert und nahm dieses Jahr das Grundeinkommen in sein Parteiprogramm auf. Der Hintergrund dieses Schrittes war eine schnell wachsende und intensive Diskussion im Internet. Es gibt einige bekannte “Wirtschaftsblogger” und einer von ihnen las meinen Artikel über das Grundeinkommen und stellte das Konzept in seinem Blog vor. Ein bekannter IT-Unternehmer las diesen Blog und befürwortete das Grundeinkommen in seinem eigenen Blog und empfahl die Idee im Fernsehen. Es gibt einige Diskussionen darüber im Internet. Obwohl ich die dortige Diskussion nicht zusammenfassen kann, weil es Abweichungen und Unterschiede gibt, kann ich sagen, dass das Hauptinteresse bei den Verwaltungseinsparungen der Regierung liegt, aber nicht bei der Sicherung eines angemessenen Lebens für Benachteiligte. Damit kann gesagt werden, dass die hiesige Diskussion mit dem neoliberalen Denken einhergeht.
Das Niveau der Aktivitäten für ein Grundeinkommen in der Allgemeinbevölkerung steht dagegen in starkem Widerspruch zum neoliberalen Denken. Einige Organisationen für Alleinerziehende Mütter und Frauengewerkschaften nennen das Grundeinkommen als Entgeltgleichheit. Einige Bewegungen für prekär Beschäftigte bezeichnen das Grundeinkommen als Schutz gegen Arbeitslosigkeit.
Die gemeinsame Logik, die sich zwischen Europa und Japan herauskristallisiert
Aus Sicht des Aktivismus auf der Straße würde ich den Schwerpunkt der Gemeinsamkeiten zwischen dem europäischen Aktivismus für ein Grundeinkommen aus den 1970ern und dem japanischen Aktivismus der Invaliden in den 1970ern sehen. Auf dem Höhepunkt der Straßenproteste um 1968 und den folgenden Jahren drückte der radikale Aktivismus der Invaliden in Japan fast die gleiche Logik aus, wie Feministen, Autonome und Anarchisten, die ein Grundeinkommen in der Theorie zu fordern versuchten. Alle bestanden darauf, dass wir Werte erzeugen, egal, wie es die Gesellschaft auch nannte (sowohl Hausfrauen, als auch Invaliden, Arbeitslose usw.). Mehr über diese faszinierende Gemeinsamkeit lesen Sie bitte auf: „Una Sola Moltitudine: Struggles for Basic Income and the Common Logic that emerged from Italy, the U.K., and Japan“.
Das japanische Netzwerk Grundeinkommen
Das japanische Netzwerk Grundeinkommen steht kurz vor dem Start. Die Gründungsversammlung findet am 27. März 2010 in der Doshisha Universität in Kyoto statt. Eine Art Vorveranstaltung ist am 13. November 2009 am gleichen Ort. Jeder ist herzlich dazu eingeladen!
Toru Yamamori ist der Koordinator des provisorischen japanischen Netzwerk Grundeinkommen, Mitglied der Claimants Union for Guaranteed Basic Income und Lehrbeauftragter an der Doshisha Universität. (Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. )





